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Besuch des Skateparks in Wuppertal  mit dem Projekt JUST!-X-Tal

Berufsbildungsbericht 2019

Der Berufsbildungsbericht 2019 stellt fest, dass die Zahl der unbesetzten Ausbildungsstellen im Vergleich zum Vorjahr um 17,7% auf 57.700 gestiegen ist und dennoch mehr als 78. 000 junge Menschen bei ihrer Suche erfolglos bleiben.

Sehr kritisch ist aus Sicht der katholischen Jugendsozialarbeit vor allem zu beurteilen, dass 2,1 Millionen junge Erwachsene zwischen 20 und 34 Jahren in Deutschland ohne Berufsabschluss bleiben. Damit ist der Anteil junger Menschen ohne Berufsabschluss weiter gestiegen und beträgt nun 14,2%. Diese jungen Menschen haben ein sehr hohes Risiko nur prekär beschäftigt oder arbeitslos zu werden und sind stark von Armut bedroht. Die BAG KJS fordert die Regierung angesichts der Zahlen aus dem Berufsbildungsbericht 2019 auf, zu handeln und die seit langem ausgesprochene Ausbildungsgarantie ernst zu nehmen. Alle jungen Menschen haben ein Recht auf Ausbildung und auf eine zuverlässige Förderung auf dem Weg von der Schule in den Beruf. Dazu gehört die Begleitung junger Menschen am Übergang und während der Ausbildung, etwa durch eine Assistierte Ausbildung und die Möglichkeit des sozialpädagogisch begleiteten Jugendwohnens. Außerdem stehen der erfolgreichen Ausbildung junger Geflüchteter weiterhin viele Hürden bis hin zur Gefahr der Abschiebung im Weg. Deshalb gilt es das Recht auf Ausbildung zu verankern und im Rahmen einer verbindlichen Ausbildungsgarantie für alle jungen Menschen umzusetzen.

 

Weiter Handlungsdruck – Eine echte Ausbildungsgarantie fehlt

Ein besseres Zusammenführen von Ausbildungsplatzangeboten und Nachfrage ist notwendig, um die 24.500 Ausbildungsplatzsuchenden, die laut Berufsbildungsbericht ohne passende Ausbildungsstelle blieben, erfolgreich zu vermitteln. Es bestätigt sich außerdem erneut, dass Ausbildungsberufe mit schlechter Vergütung und schwierigen Arbeitsbedingungen Probleme haben, Auszubildende für sich zu gewinnen. Es gilt also Ausbildungsbedingungen schnell zu verbessern, insbesondere auch durch eine Mindestausbildungsvergütung.

Auch wenn insbesondere männliche junge Geflüchtete in Berufe mit starken Besetzungsproblemen, wie etwa Bäcker oder Koch, einmünden, besteht weiter Handlungsdruck. Eine große Herausforderung bleibt die Zusammenführung von Angebot und Nachfrage. 54.100 junge Menschen, die trotz einer Alternative zur Ausbildung ihren Vermittlungswunsch weiter aufrechthielten, konnten in keinen Ausbildungsplatz vermittelt werden. Gleichzeitig mündeten rund 270.000 Jugendliche in Maßnahmen des Übergangssystems.

Zerfällt der Ausbildungsmarkt in parallele Welten?

Die Vertreter der Arbeitnehmer sprechen in ihrer Stellungnahme von einem Zerfall des Ausbildungsmarktes in Parallelwelten. Besonders dramatisch sei die Lage auf dem Ausbildungsmarkt im Ruhrgebiet, in den mittleren Städten Hessens und Niedersachsen sowie im Norden Schleswig-Holsteins. In Oberhausen, Bochum, Hameln, Flensburg oder auch Nordbrandenburg drohe eine abgehängte Generation heraus zu wachsen. In diesen Regionen müsse der Staat, ergänzend zur betrieblichen Ausbildung, auch außerbetriebliche Plätze anbieten.

In wirtschaftlich starken Regionen Bayerns, Baden-Württembergs und Rheinland-Pfalz gäbe es viele Ausbildungsstellen, die nicht besetzt werden konnten. Um die ungleiche Entwicklung in den Regionen auszugleichen, sollte die Mobilität der Bewerber/-innen unterstützt werden.

Offene Plätze gäbe es aber insbesondere auch im Osten Deutschlands. In Greifswald, Schwerin, Bernburg (Sachsen-Anhalt) oder Jena blieb 2018 rund jeder fünfte Ausbildungsplatz unbesetzt. Allein bei den Fleischerinnen und Fleischern sind es im gesamten Osten nur noch 192 neue Ausbildungsverträge zu verzeichnen 131 Plätze blieben unbesetzt. In manchen Regionen und Branchen sei keine Ausbildungskultur festzustellen. Hier fänden Betriebe keine Azubis und viele junge Menschen machten einen weiten Bogen um die duale Ausbildung.

Ausbildung – eine Frage des Geschlechts und der Herkunft?

Junge Männer beteiligten sich immer stärker an der dualen Ausbildung, während der Anteil junger Frauen weiterhin sinkt. Junge Frauen entscheiden sich immer häufiger für schulische Ausbildungsgänge der Sozial- und Erziehungsberufe. Die Bundesregierung führt den Anstieg bei den abgeschlossenen Ausbildungsverträgen sowie ein gesteigertes Ausbildungsinteresse auch auf die höhere Ausbildungsbeteiligung von Menschen mit Fluchthintergrund zurück.

Menschen mit Migrationsgeschichte füllen offenbar die Lücken, die der demografische Wandel hinterlässt. Aber der Effekt könnte noch größer sein, würden sich Vorurteile und Ressentiments nicht hartnäckig halten. Obwohl die Zahl der unbesetzten Lehrstellen 2018 einen neuen Rekordwert von fast 58.000 erreicht hat, haben Migranten generell schlechtere Chancen auf einen Ausbildungsplatz, heißt es im Bericht. Das liege auch keinesfalls nur an ihren schlechteren Schulabschlüssen, sondern gelte auch bei gleichen Noten.

Eine ausführliche Datenbasis zu allen Fragen der beruflichen Bildung liefert der Datenreport, den das BIBB herausgibt. Der Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2019 liegt mit Stand 10. April 2019 als Vorabversion vor.

Quelle: BIBB; BMBF; BAG KJS; DGB; Handelsblatt

 

Text von "Jugendsozialarbeit.news"